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Dr Herbscht uf dr Riederalp

Autorenbild: fewobasilisk
fewobasilisk
3. Okt.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Kennt ihr diese Momente ab September?

Morgens geht es ohne Jacke nicht mehr, mittags ist es plötzlich so warm, dass man am liebsten alles von sich werfen möchte – und abends überkommt einen nach der ersten Kürbissuppe der Heißhunger auf genau diese Jahreszeit.

So ungefähr fühlt sich für mich der Herbst an.

Für uns als Gastgeber des Chalet Basilisk beginnt dann meistens wieder die Arbeit.

Nach einem ruhigen Sommer und vereinzelten Gästen im Spätsommer kommen die Monate, in denen viele Menschen nicht mehr unbedingt daran denken, auf die Berge zu fahren. Der Almabtrieb ist längst vorbei, viele Restaurants und Hotels fahren langsam in den „Sleepmodus“.

Bei uns ist es genau umgekehrt.

Wir suchen uns jedes Jahr ganz bewusst eine Lücke, in der wir im Herbst eine Woche auf der Riederalp verbringen können.

Endlich ist wieder Zeit, mit den Einheimischen einen Plausch zu halten. Der Coop in der Riederalp-Mitte wird zum morgendlichen Treffpunkt für Tratsch, Neuigkeiten und Austausch.

Und während unten im Tal der Herbst vielleicht gerade erst so richtig beginnt, riecht die Luft hier oben schon ein wenig nach Winter.

Man schaut gebannt in den Himmel und fragt sich, wann wohl die erste Schneeflocke kommt?

Die Riederalp ist zu dieser Zeit fast leergefegt. Nur vereinzelt trifft man noch auf Touristen, und die Tagestouristen kommen längst nicht mehr in Scharen den Berg hinauf wie im Sommer.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich langsam eine große Decke über die Riederalp legt.

Eine Decke, die alles ein wenig leiser macht.

Eine Decke, die zum Innehalten und Schlummern einlädt.

Und genau diese Ruhe lieben wir.

Wir nutzen die Zeit, um unser Chalet auf den Winter vorzubereiten. Anstehende Reparaturen werden erledigt, Dinge werden sortiert und für die kommende Saison vorbereitet.

Während mein Mann Oliver mit unserem Hund Rùnar die letzten Wanderungen ohne Schnee unternimmt, genieße ich die Stunden am großen Esstisch mit Blick auf das Matterhorn.

Vor mir liegt die Korrespondenz für die kommende Saison, die ersten Vorbereitungen laufen – und gleichzeitig ist da dieses Gefühl, dass wir gerade in einer ganz besonderen Zwischenzeit angekommen sind.

Der Sommer ist vorbei.

Der Winter ist noch nicht da.

Und die Riederalp gehört für einen kurzen Moment wieder ein bisschen mehr den Menschen, die hier leben.

Und irgendwann wird aus dem Herbst ganz leise der Winter.

Die ersten Schneeflocken bleiben liegen, die Berge werden weiß und die Riederalp legt endgültig ihre Winterruhe ab.

Bis dahin genießen wir diese besondere Zeit.

Die Ruhe. Die klare Luft. Die letzten warmen Sonnenstrahlen. Das Knirschen der ersten gefrorenen Wege unter den Schuhen und dieses ganz besondere Gefühl, wenn man morgens aus dem Fenster schaut und nicht weiß, ob der nächste Tag noch Herbst oder schon Winter sein wird.

Für uns ist genau das die Riederalp im Herbst.

Ein bisschen Abschied vom Sommer, ein bisschen Vorfreude auf den Winter – und ganz viel Zeit, um einfach einmal anzukommen.


Vielleicht ist das der Grund, warum dr Herbscht uf dr Riederalp für üs di schönschti Zyt isch.






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