Ä Tag i de Bärge


Ende September hat die Riederalp ihren ganz eigenen Zauber. Der Sommer ist noch nicht ganz verschwunden, doch der Herbst steht schon spürbar vor der Tür. Am Morgen liegt manchmal ein feiner Schleier über den Wiesen, und die Luft ist so klar, dass man beim ersten Schritt vor die Tür tief einatmen möchte.
Für Rúnar beginnt der Tag dann schon mit einem kleinen Abenteuer. Voller Freude rennt er bellend die Schluacht hinunter, die Nase immer im Wind. An der grossen Tanne bleibt er stehen, schaut erwartungsvoll zurück und wartet auf seinen Tannenzapfen. Erst wenn er fliegt, geht es los – dann wird gerannt, gesucht und stolz gebellt. Ein Morgenspaziergang, der jeden Tag ein bisschen gleich und doch immer wieder schön ist.
Im Chalet ist es angenehm warm. Die Sonne steht nun tiefer und schickt ihre warmen Strahlen durch die Fenster auf der Südseite. Sie füllt die Räume mit Licht und einer wohltuenden Wärme, während draussen der Herbst langsam seinen Platz einnimmt.
Die Wiesen sind längst abgemäht, die Kühe schon wieder unten im Tal. Zurück bleibt eine stille, offene Landschaft, die in warmen Farben leuchtet: Goldgelb, rostrot, ein wenig Braun – und dazwischen immer wieder das dunkle Grün der Tannen. Über den Hängen liegt eine Ruhe, die man nicht erklären muss. Man spürt sie einfach.
Ein Spaziergang gehört an so einem Tag fast dazu. Die Wege sind stiller geworden, die Luft riecht nach feuchter Erde und Holz. Nach den ersten kalten Nächten ist sie besonders klar. Und wenn man stehen bleibt, ist da dieses Gefühl: Hier oben braucht es gar nicht viel.
Nach dem Spaziergang darf man es sich wieder gemütlich machen. Eine Wolldecke, ein Stück selbstgebackene Apfelwähe mit einem wärmenden Glas Tee, ein gutes Buch oder einfach nur ein Platz in unserem gemütlichen alten Sessel am Fenster – mehr braucht es manchmal nicht. Von dort aus kann man zusehen, wie sich die Farben im Laufe des Tages verändern.
Der Herbst in den Bergen ist nicht laut. Er drängt sich nicht auf. Er lädt dazu ein, langsamer zu werden, die Wärme drinnen zu schätzen und draussen jeden Sonnenstrahl mitzunehmen. Vielleicht zieht am Nachmittag eine Wolke über die Gipfel, vielleicht fällt der erste feine Schnee auf die höchsten Spitzen. Dann ist plötzlich klar: Der Winter ist nicht mehr weit.
Und doch bleibt noch Zeit für diese besonderen Herbsttage. Für lange Frühstücke, gemeinsame Spiele am Tisch, für ein Glas Wein am Abend und für Gespräche, die im Alltag oft zu kurz kommen. Zusammen sein und gemeinsam geniessen – genau das fühlt sich hier oben besonders leicht an.
Wenn draussen langsam die Dämmerung kommt und die Fenster des Chalets warm leuchten, wird es drinnen noch ein wenig heimeliger. Die Berge verschwinden nach und nach im Abendlicht, die Stille wird grösser – und man merkt, wie gut es tut, einfach einmal nichts zu müssen.
Und wenn der Tag langsam leiser wird, bleibt dieses Gefühl: Hier oben, mitten in den Bergen, darf man für einen Moment ganz bei sich sein.
Do obe, wo d’Bärge wiit si, wird s’Härz still und d’Seel cha hei cho.


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